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Familie Elchlep

Eine Familiengeschichte aus Thüringen

Sieben Jahrhunderte,
ein Name.

Ein Ritter verkauft sein Dorf. Ein Brauer verliert ein Auge. Ein Dorfschulmeister wird Notar. Perückenmacher kleiden das Weimar der Goethezeit, und ein alter Forstmann schreibt alles mit der Hand ab, damit nichts verloren geht. Die Geschichte der Familie Elchlep, nach den Quellen erzählt.

Der Name

Kein Tier. Ein Dorf.

Der Name stammt von einem Ort: Elchleben, in den Urkunden Elchileibin, Elcheleibin und Ellichleben geschrieben, heute Elxleben, ein Dorf nordöstlich von Stadtilm im Ilm-Kreis. Die Endung „-leben“ tragen viele Dörfer in Thüringen. Sie ist älter als die Ritter und bedeutet Erbe, hinterlassener Besitz. Wer sich „von Elchleben“ nannte, nannte sich nach dem Lehen, das er hielt.

Über die Jahrhunderte wurde aus dem Ortsnamen ein Familienname mit vier Schreibweisen: Elchleb, Elchlep, Elchlepp und Elgleb. Sie alle gehören zu einer Familie.

Elchleben, 1184 bis 1426

Die Ritter von Elchleben

Der Stammbaum der Familie beginnt mit Udalrich, Ritter und Herr auf Elchleben, um 1184. Die älteste abgeschriebene Urkunde stammt von 1287: Graf Günther von Schwarzburg beurkundet, dass das Kloster Paulinzella zwei Hufen in Elchleben gekauft hat. Unter den Zeugen stehen „dominus Albertus de Elchileibin, Ulricus frater ipsius“, die Ritter Albert und Ulrich.

Am 14. Februar 1294 verkauft Ritter Ulrich von Elchleben dem Kloster Paulinzella alle seine Güter und das Gericht über das Dorf, für zwanzig Mark Silber. Im selben Jahr verkaufen auch die Grafen von Käfernburg das Dorf selbst und nennen den Grund: Schulden aus dem Krieg. Ein Jahr später gibt Ulrich mit seinem gleichnamigen Sohn noch eine halbe Mühle ab. Auf der Stammtafel steht unter seinem Namen: „letzter Herr auf Elchleben“.

Illustration: Ein Ritter auf dem Pferd reitet aus einem mittelalterlichen Dorf und blickt zurück, am Tor steht ein Mönch mit einer gesiegelten Urkunde
Elchleben, 1294. Illustration nach der Urkunde Nr. 126 des Klosters Paulinzella.

Die Familie überlebt den Verkauf. Sie bleibt im Ritterstand, nur ohne Dorf: Burgmänner in Kranichfeld, Lehnsleute der Grafen von Schwarzburg, Zeugen in fremden Verträgen. 1347 stiftet Ritter Dietrich von Elchleben mit seinen Vettern, dem Abt Hermann von Paulinzella und dem Pfarrer von Remda, Güter für eine Marienstiftung. Ein Diezel von Ellichleben sitzt als Schiedsrichter in einem Bündnis zwischen dem Erzbischof von Mainz und den Grafen von Schwarzburg und Hohnstein. Der letzte Ritter auf der Tafel heißt Dietrich, 1426. Danach erwerben die Letzten des Geschlechts das Bürgerrecht in Erfurt.

Reihe gezeichneter Wappenschilde mit den Namen der Ritter von Elchleben von 1184 bis 1426
Die Ritterreihe am Fuß der Stammbaum-Tafel, von Udalrich 1184 bis Dietrich 1426.

Erfurt, 1625 bis 1703

Zwölf Enkel. Einer bleibt.

Die Chronik der Neuzeit beginnt mitten im Dreißigjährigen Krieg: „Man schreibt das Jahr 1625. In einem Hause in der Johannisgemeinde in Erfurt steht ein Mann über die Wiege seines erstgeborenen Sohnes gebeugt.“ Der Mann heißt Andreas Elgeleben, der Sohn Krafft Melchior. Elf Kinder bekommt Andreas, zwölf Enkel sieht er heranwachsen. Nur einer von ihnen bleibt am Leben.

Krafft Melchior wird Brauer, später „Erfurtischer Braumeister“ mit einem Haus in der Matthiä-Gemeinde. Bei einem Unfall verliert er ein Auge, 1682 wird er als verstorben genannt. Der eine Enkel, der überlebt, ist sein Sohn Georg Paul.

Illustration: Ein Mann in der Kleidung des 17. Jahrhunderts beugt sich in einer Stube über eine Wiege, im Fenster die Türme des Erfurter Doms
Erfurt, 1625. Illustration nach dem ersten Satz der Chronik.

Georg Paul, um 1651 geboren, kommt mit vierzehn auf das Erfurter Ratsgymnasium und will die Rechte studieren. Mit zwanzig heiratet er, das Studium muss warten. Er wird Schulmeister und Organist in Nöttleben, Tröchtelborn und Walschleben und streitet, wo es sein muss, um sein Recht, auch mit der eigenen Gemeinde um das ausstehende Organistengeld. Am Ende steht er in Erfurt als „notarius“ und 1703 unter den Standespersonen der Stadt.

Georg Paul ist der Stammvater. 1939 konnte Friedrich Elchlepp es mit den Geburtsurkunden seiner Söhne belegen: Alle, die Elchleb, Elchlep, Elchlepp oder Elgleb heißen, gehen auf ihn zurück.

„Die Liebe zum Lehrerberuf und zur Juristerei aber steckt den meisten unserer Familie im Blute.“

Friedrich Elchlepp, 1940
Illustration: Ein junger Dorfschulmeister spielt in einer Kirche eine kleine Orgel, hinter ihm Kinder mit Schiefertafeln
Schulmeister und Organist, um 1680. Illustration.

Weimar, 1720 bis 1939

Puder in der Luft, Kreide an der Tafel

Georg Pauls Sohn Georg Valerian, geboren 1683, wird Lehrer. Aus seiner Linie gehen die Elchlep hervor. Sein Sohn Immanuel Rudolf geht nach Weimar, lernt Handschuhmacher und wird Beutlermeister. Dessen Sohn Georg Friedrich Rudolf ergreift ein Handwerk, das zur rechten Zeit kommt: Er wird Perückenmacher. Sein Sohn Jakob Christian, geboren 1765, macht daraus eines der stattlichsten Geschäfte der Stadt, mit bis zu zwölf Gesellen, in den Jahren, in denen Goethe in Weimar Minister ist.

Dann ist die Zeit der Perücke vorbei, und mit ihr der Wohlstand. Die nächste Generation kehrt ans Pult zurück: Karl Friedrich Gottlob wird Bürgerschullehrer in Weimar, sein Sohn Georg Walter Oberlehrer, gestorben 1939.

Illustration: Eine Perückenmacherwerkstatt des 18. Jahrhunderts, ein Meister mit verschränkten Armen, Gesellen an Perückenköpfen, ein Kunde mit Dreispitz wartet
Die Perückenmacher Elchlep in Weimar, um 1790. Illustration.

Der Forstmann, der alles abschrieb

Georg Walters Sohn Gerhard kommt 1896 in Weimar zur Welt. Er geht nicht in die Schule, sondern in den Wald: ab 1931 im Forstamt Henneberg bei Meiningen, ab 1937 als Forstmeister in Ilmenau, am Fuß des Kickelhahns, in den Wäldern, in denen Goethe „Über allen Gipfeln ist Ruh“ schrieb. Nach dem Krieg bekämpft er als Forstinspekteur die große Borkenkäferplage.

1970, mit vierundsiebzig, leiht er sich Friedrich Elchlepps Familienchronik aus Leipzig und schreibt sie Seite für Seite mit der Hand ab, die lateinischen Urkunden eingeschlossen. Seinen Heften verdankt diese Seite das meiste, was sie erzählt.

Illustration: Ein alter Forstmann mit Hut und Stock steht auf einem bewaldeten Hügel und blickt über Fichtenwälder
Auf dem Kickelhahn, um 1950. Illustration.

Die Familie war in diesen Jahrhunderten fast alles: Ritter, Burgmann, Bürger, Brauer, Schulmeister, Notar, Beutler, Perückenmacher, Lehrer und Förster. Ihre Geschichte geht weiter. Wer heute den Namen trägt, steht nicht hier, das bleibt der Familie.

Die Linie

Soweit die Quellen sie tragen

  1. um 1184Udalrich, Ritter, Herr auf Elchleben
  2. 1287–1295Albert und Ulrich von Elchleben; Ulrich verkauft 1294 das Dorf
  3. 1426Dietrich, der letzte Ritter auf der Tafel
  4. 1625Andreas Elgeleben, Erfurt, Johannisgemeinde
  5. † 1682Krafft Melchior, Erfurtischer Braumeister
  6. um 1651 bis nach 1703Georg Paul, Schulmeister, Organist, Notar, der Stammvater
  7. * 1683Georg Valerian, Lehrer
  8. 18. Jh.Immanuel Rudolf, Beutlermeister in Weimar
  9. 18. Jh.Georg Friedrich Rudolf, Perückenmacher in Weimar
  10. * 1765Jakob Christian, Perückenmacher mit zwölf Gesellen
  11. 1831–1888Karl Friedrich Gottlob, Bürgerschullehrer in Weimar
  12. 1867–1939Georg Walter, Oberlehrer in Weimar
  13. * 1896Gerhard, Forstmeister in Henneberg und Ilmenau

Für Karl Friedrich Gottlob nennt die Stammtafel das Geburtsjahr 1831, die handschriftliche Chronik 1833.

Das Wappen

Rose, Schrägbalken, Stierkopf

Wappen: Schild mit einer roten Rose im silbernen Schildhaupt, darunter schwarz und silbern schräg gestreift, auf dem Helm ein Stierkopf
Das Wappen auf der Stammbaum-Tafel von Friedrich Elchlepp.

Der Schild trägt ein silbernes Schildhaupt mit einer roten Rose, darunter ist er schwarz und silbern schräg gestreift. Auf dem Helm mit seinen Decken steht ein Stierkopf mit Hörnern. Einen Elch gibt es im Wappen nicht.

Das Wappen steht auf der großen Stammbaum-Tafel, die Friedrich Elchlepp aus Bad Suderode nach achtzehn Jahren Forschung in Kirchenbüchern und Archiven zeichnen ließ: ein Baum mit Hunderten Wappenschilden als Blättern, vor einem Panorama von Erfurt.

Wie alt das Wappen ist, sagen die Quellen nicht. In den Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts ist kein Siegel der Ritter von Elchleben beschrieben. Es kann ein altes Siegel wiedergeben oder eine Zusammenstellung aus dem 20. Jahrhundert sein. Das bleibt offen.

Quellen

Woher wir das wissen

Die gezeichneten Szenen sind Illustrationen, keine Abbildungen realer Personen. Wie die Menschen aussahen, weiß niemand mehr.

Die vollständige Familienchronik ist für die Familie geschützt. Zur Familienchronik